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  • Doris Wolf

„Von Bio-Rindern zu Wildkräutern!“


Die Landwirtschaft ernährt uns. Unsere Lebensgrundlage sind eine wertschätzende Tierhaltung und gesunde Äcker – und damit verbunden Artenvielfalt und Klimaschutz. Regionale Versorgung und der Ausbau der ökologischen Landwirtschaft sind gut für die Umwelt und gut für unsere Gesundheit. Diese Erkenntnis setzt sich immer mehr durch. Aus der Natur der Sache heraus, ist der Öko-Landbau aber meist etwas teurer als die rein ertragsorientierte, intensive Landwirtschaft konventioneller Prägung.


Die Vier- und Marschlande im Süden von Hamburg könnten sich zu einer Region mit Vorbildcharakter im Öko-Landbau entwickeln. Dazu benötigt es mehr Betriebe, die auf ökologische Landwirtschaft umstellen. Auch der Verbraucher muss bereit sein, für Bio-Lebensmittel mehr zu zahlen. Und die Stadt Hamburg kann sich aktiv beteiligen, indem sie als Nachfrager regionaler und ökologischer Produkte wirtschaftliche Anreize setzt. Also ein Gemeinschaftsprojekt aller relevanten Akteure!


Gefragt sind Flächensicherheit und wirtschaftliche Perspektiven

In den Vier-und Marschlanden werden ca. 5.000 Hektar landwirtschaftlich (ohne Gartenbau) genutzt, davon ca. 40 % extensiv (Grünland). Derzeit werden nur 9,5 % der Fläche ökologisch betrieben – das ist deutlich weniger als im Bundesdurchschnitt. Um bis 2025 einen Anteil von 20 bis 25 % der Fläche ökologisch zu bewirtschaften, brauchen die Betriebe neben Flächensicherheit – insbesondere bei den von der Stadt gepachteten Nutzflächen – eine klare wirtschaftliche Perspektive. Diese kann die Stadt durch Anpassung des Einkaufs öffentlicher Einrichtungen, Stichwort „mehr regionales Bio“, ohne weiteres leisten. Ob für die städtischen Kantinen oder bei der Bewirtung durch kommunale Institutionen – auf dem Speiseplan stehen vermehrt regionale Produkte mit Bio-Siegel. Verbraucherschulung und Verbraucheraufklärung tun ein Übriges, über transparente Information eine Verhaltensänderung anzuschieben.


Sorgen macht allen Landwirten das Sterben von Verarbeitungsbetrieben in der Region. Dies ist besonders für die Fleischverarbeitung kritisch, da den Tieren für Schlachtung und Weiterverarbeitung immer weitere Wege zugemutet werden müssen. Eine mobile bzw. teilmobile Schlachtung wird hier als möglicher Ausweg gesehen und von verschiedenen Akteuren bereits bearbeitet. Man bemüht sich gemeinsam um eine von der Stadt unterstützte Realisierung zunächst für Rinder und Geflügel.


Vorzeigehof im besten Sinne

Es gibt nur wenige Betriebe in Hamburg, die ökologischen Landbau betreiben. Ein Betrieb ist der Hof Eggers in Kirchwerder, der eine Ausnahmeerscheinung ist. Schon Anfang der 90er Jahre hat Georg Eggers auf ökologische Landwirtschaft umgestellt, nach der Umstellung zog die Vielfalt ein: extensiv geführte Weiden, Neue Biotope, Mutterkuhherde, Aurora Urweizenprogramm usw.

Fünf reetgedeckte Hof-Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz; der Betrieb ist ein offener Vorzeigehof mit Veranstaltungen und Programm für alle Interessierten. Bei den beliebten Hofführungen durch Georg Eggers bekommt man/frau einen tiefen Einblick in die Öko-Landwirtschaft und ihre Vorteile für Mensch und Natur. Auch Neffe und Nachfolger Henning Beeken, aktueller Betreiber des Hofes, führt die Tradition fort und setzt auf Öko-Landbau und Bio-Fleisch.


Biodiversität durch Wildkräuter

Ein weiterer wichtiger Beitrag im ökologischen Anbau ist die Nutzung von Wildpflanzen und Wildkräutern: Bärlauch, Brennnessel, Giersch, Breitwegerich, Schafgarbe usw. repräsentieren perfekt die Verbindung und Wechselwirkungen mit der Natur. Ausgewählte Wildkräuter eignen sich bestens als Besetzung von Blühstreifen oder Blühflächen und liefern damit einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Biodiversität. Die Saat geht auf, denn Wildkräuter finden auch immer mehr Eingang in die gehobene Gastronomie. Durch diese Nachfrage können Anreize für den vermehrten wirtschaftlichen Anbau geschaffen werden.


Autorin: Doris Wolf, Hamburg Bergedorf, 2021

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